Klavierkonzerte solo
Wer die Pianistin bei ihrem Spiel genauer...
Zunächst gibt es die Vier Balladen op.10 von Brahms. Da wissen wir von Sofja schon, dass der Komponist erst 20 Jahre alt war, als er diese Werke schuf, diese aber klingen, als hätte sie ein erfahrener Meister komponiert. Dann beginnt der musikalische Vortrag und getragen traurige Musik ist zu hören, die sich ins forciert Zornige steigert und in dunklen Akkorden verharrt, selbst wenn sich Stimmungswechsel andeuten. Wer die Pianistin bei ihrem Spiel genauer beobachtet, kann erkennen, wie sie sich in die Musik verliert - dabei bleibt ihr Spiel emotional und brilliant. Ob zartes lyrisches oder schnelles, zum Expressiven sich steigerndes Spiel zu hören ist, immer ist es ergreifend. Die Variationen der Themen, die lyrischen Spannungsbögen und liedhaften Teile enden bei Brahms freilich immer wieder in den dunklen schaurigen Akkorden. Außer zum Ende der vier Balladen, da die Töne verhalten zu schweben scheinen, um liedhaft und sehr lyrisch auszuklingen. Ob sich alles zum Guten wendet oder Abschiedsweh von einem Besitz ergreift, bleibt offen bzw. dem Zuhörer überlassen.
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Beängstigend perfekt
„Alle Wetter, kann das Mädel Klavier spielen, das <...> im Teo Otto Theater in die Tasten griff. Eine so große Zahl von Besuchern wie lange nicht war ins Meisterkonzert gekommen, um Sofja Gülbadamova wiederzuhören <...>.
<...> Die erste [Sonate] von Brahms machte den Anfang <...>. Unerhört, mit welcher Kraft, welchem Selbstbewußtsein die Pianistin da die Akkorde des ersten Themas donnern ließ, ohne den Flügel zum Schlaginstrument herabzustufen. Und ohne sich nur aufs Vollgriffige zu versteifen, wie das sich anschließende Filigran zeigte und wie schwärmerische und träumerische Episoden beglaubigten. Der Ersnt des Andante über das Volkslied „Verstohlen geht der Mond auf“, die burschikose Eleganz des Scherzos und das aus dem Kopfthema entwickelte Finale waren da mit beinahe beängstigender technischer Sicherheit und ebenso bemerkenswerter musikalischer Einfühlung verbunden.“
Ulrich Mutz, Bergische Morgenpost, 18.Januar 2003
Die ganze Wahrheit über den norwegischen ...
... norwegischen Musik-Messias
„...Den Klavierstücken op.1 hört man erstens an, was der junge Grieg von Schumann und Chopin lernte, und zweitens, wie gehaltvoll dieser „Grieg ohne Norwegen“ ist. Pianistin Sofja Gülbadamova, schon mehrfach erfolgreich in Kiel aufgetreten, spielte dies Debütwerk und die Klaviersonate op.7 aber auch wirklich fesselnd: Fabelhaftes Gespür für Klang- und Harmoniefarben, geradezu psychologisierende Aufladung des Details und ein Denken in großen Zusammenhängen verbanden sich zu einer souveränen Leistung.“
Dr. Michael Struck, Kieler Nachrichten, 23.Juni 2007
Pianistische Spurenelemente
„... Ebenso sehr überzeugt die <...> Pianistin bei drei musikalischen Schwergewichts-Meistern: Mendelssohns Variations sérieuses formt sie feinfühlig, zielbewusst, technisch fulminant. Gebannt folgt man den intro- und extrovertierten Variationscharakteren, den pianistischen Beleuchtungswechseln. Auf gleichem Niveau erklingt Chopins b-moll-Scherzo. Das „können“ viele Nachwuchspianist(inn)en brillant, manchmal fast brutal virtuos und dramatisch. Nur selten aber hört man es so lebendig, mit so überzeugenden Zwischentönen wie bei dieser Künstlerin.“
Dr. Michael Struck, Kieler Nachrichten, 25.November 2005
Klavierabend von hoher Dramatik
„...Gülbadamova deutete die diffizile Tiefe von Prokofjevs [5.Sonate] <...> sensibel aus, machte aus dem Andantino des zweiten Satzes einen pikanten und raffinierten Leckerbissen und gestaltete das abschließende „Un poco allegretto“ versonnen, bewegt, gewaltig und komplex mit angemessener Rasanz. Dass eine weitere Steigerung möglich wäre, konnte kaum erhofft werden.
Doch die Künstlerin trat <...> mit Franz Schuberts gut halbstündiger Sonate a-moll D 845 den Gegenbeweis an. Sanft beginnend, zierliche Figuren zeichnend und das aufschäumende Temperament unter Kontrolle haltend, gelang ihr der Wechsel zwischen leiser Schwermut, tiefer Melancholie und tänzerischen Momenten. Der heitere zweite Satz klang nach geselligen Sommerabenden.
Atemberaubende Fingerspiele von federleichter Virtuosität wurden zart, aber energisch tief ausgelotet, nochmals gesteigert von der innerlichen und sehr gefühlvollen Interpretation der beiden letzten Sätze, die dem durchweg spannenden Programm dieses Abends die Krone aufsetzten. Zue Entspannung diente da die seelenvolle, ruhige Zugabe von Brahms’ Intermezzo op.117 Nr.1, ein besinnliches Spätwerk und meisterliche Miniatur – meisterhaft gespielt. Da hätte man eine Nadel fallen hören können.“
Remscheider Generalanzeiger, 18.Januar 2003
Von innerer Erregung erfüllter Gesang
„...[der Funke] sprang spontan über, als Sofja Gülbadamova die große Sonate Nr.3 h-moll op.58 vortrug: Die junge Pianistin gewährte einen tiefen Einblick in die Klangwelt Chopins. Aus kraftvollem Schwung formte sie den thematischen Einstieg, dem sie weiche, poetisch singende Melodien folgen ließ; zurückhaltend und drängend zugleich malte sie feinste dynamische Übergänge. Brillant und leicht spielte sie die perlenden Läufe im Einleitungsteil des Scherzo, setzte klangvoll schwere Akkorde im Mittelteil dagegen; ausdrucksvoll formte sie die Unisono-Einleitung im Largo, und gleichsam von dem pendelnden Schwung der Melodie eingefangen, entstand ein von innerer Erregung erfüllter Gesang.
Leicht und federnd forderte Sofja Gülbadamova im letzten Satz zum schwungvollen Tanz auf, band die Zuhörer durch die akkordbetonte Melodie, die immer wieder mit pointiert wirbelnden Tonkaskaden geschmückt war, in die eigene spürbare Begeisterung für Chopins Musik ein.“
Angelika Kannenberg, Braunschweiger Zeitung, 18.Mai 1999

