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50 Thesen

Kunst-Intervention „HIGH NOON FÜNF VOR ZWÖLF“
für die Kunstsammlungen der Stadt Magdeburg
50 Thesen



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Welche Rolle spielt Magdeburg in Mitteldeutschland ?
1. Mitteldeutschland erreicht nur über die Kultur eine besondere Bedeutung in
Deutschland.
2. Einen Hauptstadtbonus innerhalb des Gefüges von Mitteldeutschland gibt es für
Magdeburg nicht. Magdeburg muss sich vorrangig immer selber helfen.
3. Bei der Erwähnung von Halle als Kulturhauptstadt lässt sich Magdeburg leicht
aus der Fassung bringen.
4. Das entbindet Bürgerinitiativen von Magdeburg nicht, über innewohnende
städtische Kunstreserven nachzudenken.
5. Das entbindet den Stadtrat von Magdeburg nicht, die Kunst – und
Kulturlandschaft stetig zu erweitern.
6. „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ (Eduard Mörike)



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Magdeburg als Metropole an der Elbe.
7. Die Unverwechselbarkeit einer Stadt kommt hauptsächlich mit den kulturellen
Besonderheiten zur Geltung.
8. Das Teilvorhaben der Internationalen Bauausstellung 2010, Magdburg näher
an die Elbe zu rücken, ist zukunftsweisend.
9. Imagegewinn für eine Stadt erreicht man nicht mit populistischen
Kurzzeiterfolgen.
10. Die Erkenntnis, durch Kunst- und Sportunternehmungen einen Imagegewinn zu
erreichen, scheint zuzunehmen. Siehe Initiative Frauenfußball- Weltmeisterschaft.
11. Kulturelle Erfolgsrezepte gleich strukturierter Städte sollten umfassender
studiert werden. Zu nennen wären Chemnitz, Cottbus, Görlitz.



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Magdeburg, die tausendzweihundert-jährige Stadt
12. Das Geschichtsbewusstsein der Bürger ist in den letzten Jahren, dank
großartiger, kunsthistorischer Mittelalterausstellungen gewachsen.
13. Weitere Einbindung von Magdeburg in die Deutsche Mittelaltergeschichte
ist zu begrüßen, doch Vorsicht vor einem Mittelaltertunnelblick.
14. Die Geschichte von Magdeburg kann doch nicht mit dem Mittelalter enden.
15. Die vorrevolutionäre Aufklärung trotz Festungsstadt, die mit Ruß geschwärzte
Industrierevolution mit ihren innewohnenden großbürgerlichen Kulturfaktoren,
bedürfen der Anschaulichkeit.
16. Das Jahrzehnt des „Neuen Bauens“ war mehr als nur eine Aneinanderreihung
von zeitnahen Bauobjekten. Der durchexerzierte Ideengehalt ist für heute noch
beispielgebend für wahrhaftige Imagebildung.



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Förderung von Kunst und Kultur ist Aufgabe der Öffentlichen Hand
17. Diese Aufgabe in Zeiten des Wirtschaftswunders scheint für viele eine
Binsenwahrheit geblieben zu sein, sodass sie als Staatsziel im Grundgesetz nicht
für notwendig erachtet wird.
18. Die Länder beharren, obwohl mit enormen finanziellen Unterschieden in den
Kulturausgaben, strikt auf ihre Kulturhoheit.
19. Die Länder bestritten im Jahr 2006 rund 42 % der Kulturausgaben. Die
Kommunen kamen für 45,5% der Kulturausgaben auf. Der Bund übernahm 12,5%.
Insgesamt betrugen die Ausgaben für Kunst und Kultur 1,6% des Staatshaushaltes.
Im Ländervergleich lag der Flächenstaat Sachsen mit 155 € pro Einwohner vorn, das
kleine Saarland bildete mit 50 € das Schlusslicht.
Die Kulturwirtschaft ist ein Standortfaktor ersten Ranges.
20. Die Wirtschaft hatte schon immer eine größere Lobby als die Kunst, aber von
deren Kreativpotenzial profitiert sie gern.
21. Kunst und Kultur als weichen Standortfaktor zu bezeichnen ist längst überholt.
22. Im Jahr 2006 besuchten in Deutschland 103 Millionen Besucher die Museen
und in der Spielzeit 2005/6 gingen 34,8 Millionen ins Theater.
23. Die wirtschaftliche Wertschöpfungskraft von klassischen Kultureinrichtungen ist
enorm. Sie folgt an dritter Stelle hinter der Automobilindustrie. Kultur ist also nicht nur
Schmiermittel für Geist und Seele, sondern auch ein harter Standortfaktor.



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Die fließenden Grenzen von verpflichtenden und freiwilligen Aufgaben.
24. Die Aufgaben für Wirtschaft, Bildung und Sozialausgaben sind als Pflicht klar
umrissen. Doch Haushaltsposten für Kunst und Kultur werden als freiwillige
Leistungen eingestuft.
25. Für die Rettung der Mittelstandbank IKB als Beispiel sind fast zwölf Milliarden
Euro als Pflicht tituliert worden. (Rund 8,1 Milliarden Euro im Jahr geben Bund,
Länder und Gemeinden für Kunst und Kultur aus).
26. Die Kosten für Polizeigroßaufgebote bei Fußballspielen scheint ebenso
Pflichtaufgabe zu sein.
27. Die schwammige Begriffsauslegung von Pflicht und Freiwilligkeit ist nicht
mehr tragfähig. Kunst und Kultur sind Pflichtaufgaben.



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Die allgemeine Bedeutung von Kunstsammlungen.
28. Kunstsammlungen sind unersetzlich für die Erweiterung und Stabilisierung
des Bildungsstandortes.
29. Der interessierte Besuch von Kunstausstellungen, weil im Wesentlichen ein
Vorgang der Kontemplation und Stille, geht direkt in die Persönlichkeit der Besucher
ein.
30. Persönlichkeitsbildung per Mausklick hat seine absoluten Grenzen.
31. Eroberungskriege, Plünderungen, Reparationen und als Gegenstück
respektable Ankäufe, großzügige Schenkungen und Stiftungen ergaben und ergeben
den Umfang einer Sammlung.
32. Der beträchtliche Umfang der Kunstsammlungen des Kulturhistorischen
Museum Magdeburg ist kaum bekannt.



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Die Kunstsammlungen der Stadt Magdeburg
33. Ein aufgeschlossener, kunstsinniger Bürgerwille begründete ab 1835 und 1869
den Sammlungsgrundstock in Magdeburg. Deren stetig wachsender Umfang, seit
1897 als „Schenkung“ im städtischen Besitz, bildete 1906 den respektablen
Kunstbestand für den Museumsneubau.
34. Arnold Wilhelm von Bode, Generaldirektor der Gemäldegalerie Berlin (1905),
und der erste Direktor des Kaiser- Friedrich- Museum Magdeburg, Prof. Dr. Theodor
Volbehr, haben sich gemeinsam große Verdienste um den künstlerischen Inhalt der
Sammlungen erworben.
35. Ankäufe sind in der Jetztzeit ob der hohen Kunstmarkpreise und der niedrigen
Ankaufsetatlage kaum noch möglich. Eine Sammlungserweiterung kommt heute
vorrangig durch Leihverträge, Schenkungen oder Nachlasspflege zustande.
36. Die beste Pflege von Kunstsammlungen liegt in ihrer Präsentation und nicht im
Schattendasein.



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Die heutige Bedeutung der Magdeburger Kunstsammlungen
37. Die Kunstbestände des Historischen Museums in Magdeburg haben mit
wenigen bedeutenden Ausnahmen keinen internationalen Rang, gehen aber in
Gänze weit über die regionale Bedeutung hinaus.
38. Die Verluste der Kunstsammlungen in Folge des II. Weltkrieges sind enorm
und dauerhaft zu beklagen.
39. Das ist kein Grund, dass die großen und Vermögen bildenden Bestände in den
Depots ungesehen überdauern müssen oder lediglich zu Illustrationszwecken
herhalten dürfen.
40. In unserer reizüberflutenden Beliebigkeit kann sich niemand leisten,
anschauliche Höchstleistungen in dunklen Kellergewölben dahindämmern zu lassen.
41. Die Kunstwerke der Vergangenheit sind unerlässliche und lebendige
Wertmaßstäbe. Sie sind reale Reichtümer und unter anderem ein Maßband, um die
dauerhafte Tragfähigkeit von zeitgenössischen Kunstäußerungen zu überprüfen.



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Städtebauliche Aspekte
42. Die neue Mitte von Magdeburg kann nicht das Allee - Center sein.
43. Die historische, unverwechselbare, einmalige Mitte wird vom Kloster Unser
Lieben Frauen, dem Domplatz mit den Regierungsgebäuden, der Möllenvogtei, dem
Dom St. Maurizius und der Kathedrale St. Sebastian, gebildet.
44. Hinzu kommt neuerdings eine bemerkenswerte Quermeile, entlang der
Danzstraße, die ausgehend vom Kulturhistorischen Museum, der Galerie
„Himmelreich, über die Ausgrabung des alten Sudenburger Tores, an der Südseite
des Domes vorbei bis hin zur Bastion Cleve und zur Elbe führt.
45. Eingebettet in diese Kulturmeilenperlenschnur liegt der Architekturkomplex „Alte
Notenbank“.
46. Als Baudenkmal eingestuft, im Erhaltungssatzungsgebiet „Domplatz/südliches
Stadtzentrum“ eingebunden, forciert zum Verkauf angeboten, könnte die
Wahnvorstellung einer kommerziellen Radikalumnutzung Realität werden. Und das
im Herzstück unserer altehrwürdigen Heimatstadt. Die „Städtischen
Kunstsammlungen“ als Perle der Kulturmeile Danzstraße.
47. Schon im ersten Workshop 1990 des Stadtplanungsamtes über „Die Zukunft
des Magdeburger Stadtzentrums“ schlugen Magdeburger Künstler die Umnutzung
der Staatsbank als Kunsthalle vor.
Der Stadtrat fand die Idee eigentlich gut, verfolgte sie nie mit entschiedener
Intensität, zumal ja das Gebäude samt Grundstück käuflich erworben werden
musste. Auch ist die Angst vor den Folgekosten im Laufe der Jahre immer größer
geworden.
48. Die Lage des Bankgebäudes, die Gesamtkubatur mit ihrer repräsentativen
Eingangssituation, die insgesamt fünf Etagen mit den unterschiedlichen
Raumangeboten und intakten Installationen sowie der hohe Sicherheitsstandart
ermöglicht in Summe eine angemessene Nutzung.
49. Die Nutzung des Hauses könnte von heut auf morgen durchaus erfolgreich in
Schritten erfolgen. Die „Kaiser-Otto-Stiftung“ könnte das bisherige
Hinterzimmerdomizil verlassen und den Sitz im Haus am Domplatz einnehmen.



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Kunstsammlungen: Grobübersicht
800 Tafelbilder von 300 Künstlern aus dem 16. bis 20. Jahrhundert
4500 Handzeichnungen,30000 Druckgraphiken, 10 Exlibris
(Von Dürer bis Picasso)
Nationale Sammlung der DDR (am 16.07. 1990 an die Stadt übertragen)
Möbelsammlung von Gotik bis Biedermeier
Gebrauchs- und Prunkmöbel aus Frankreich, Italien, Deutschland
Kunsthandwerk
Keramik, Glas, Metall im europäischen Querschnitt
Sondersammlung Textil: Ägyptische Fragmente, Flämische Gobelins Messgewänder,
Italienische Seidenstickerei, Türkische Gebetsteppiche, Trachten und Spielpuppen,
Gobelins aus der Telemann- Konzerthalle
50. Die Neupräsentation der „Städtischen Kunstsammlungen“, also eine
Erweiterung der Kunstmuseumslandschaft, bedeutet einen realen, eindrucksvollen
und bleibenden Imagegewinn für die Stadt Magdeburg.



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